Blaupause für das perfekte Datacenter (3): Standort

Vor einigen Jahren war ich am Bau eines brandneuen Datacenters beteiligt. Für einen Datacenter-Verwalter ist das ein großer Luxus, weil ich so das Gebäude ganz entsprechend den neuesten Technologien einrichten konnte. Gleichzeitig war es aber auch eine Herausforderung, denn es gibt keine Blaupause für ein perfektes Datacenter. Ich möchte Sie an meinen Entscheidungen und Überlegungen teilhaben lassen. Nach den Folgen über Kühlung und Sicherung und Aufmerksamkeit für den Standort.

Über den Standort eines Datacenters wird oft nicht nachgedacht. Meistens ergibt sich die Wahl aus dem historischen Kontext. Man hat beispielsweise auf dem Speicher angefangen und erweitert den Serverpark im Laufe der Jahre ständig. Je nachdem, wie die Zeit es fordert, wird dann kaum noch darüber nachgedacht, das Datacenter an einem anderen Ort zu bauen. Vor allem in der Randstad gibt es viele Datacenter dieser Art. Dieselbe Sesshaftigkeit sieht man bei Firmen. Sie wollen ihre Daten auch gerne möglichst in der Nähe haben. Solche Gefühlsduseleien muss man allerdings meines Erachtens außen vor lassen. Der Standort eines Datacenters ist nämlich sehr wichtig. In der Tat bestimmt der Standort in einem hohen Maße, welche Angebote Sie als Dienstleister anbieten und welche Leistung Sie garantieren können.

Über NAP

Es gibt einige Kriterien, anhand derer man einen Datacenter-Standort wählt. Der erste wichtige Faktor ist der Risikogehalt des Standorts. Risiken muss man hier breit sehen. In meinem Blog über die Sicherung unseres Datacenters sagte ich bereits, dass ein Datacenter an einem belebten Ort ein Risiko in Bezug auf Diebstahl darstellt. Andererseits muss man bei Risiken auch an Katastrophen denken.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Überflutung? Sind Chemiefabriken in der Nähe? Diese Dinge sind sehr wichtig. Aufgrund der vielen Überschwemmungen in den Niederlanden war für uns die Wahl eines Datacenters über NAP - also dem normalen Amsterdamer Pegel - wichtig. Und es ist immer gut, einen Blick in die Risikokarte der Niederlande zu werfen. Dies ist eine objektive Quelle, die die Risiken aller Standorte in den Niederlanden kartiert.

Wert des AMS-IX

Ein zweiter wichtiger Faktor, der bei der Wahl eines Datacenter-Standorts in Augenschein genommen werden muss, ist die Konnektivität. Als Datacenter muss man an das weltweite Glasfasernetzwerk anschließen und je näher man sich an den großen Internetknoten befindet, desto besser kann man sich als Datacenter zugänglich machen. Aus diesem Grund wollen sich viele Firmen gerne in der Nähe des AMS-IX niederlassen. Von diesem Internet Exchange ist eine Verbindung mit Providern möglich, die Netzwerke über die ganze Welt gespannt haben. Daten müssen hierdurch nur eine kurze Entfernung zurücklegen und das findet sich in den Leistungen des Datacenters wieder. Aber es ist leicht gesagt, dass man sich immer in der Nähe des AMS-IX befinden muss. An erster Stelle ist ein Standort in der Nähe eines Knotens vor allem ein Vorteil im Bereich Latenz oder der Reaktionszeit einer Verbindung. Für bestimmte Anwendungen ist Latenz allerdings von entscheidender Bedeutung. Denken Sie beispielsweise an den Zahlungsverkehr oder UDP-Verkehr (der auch beim Telefonieren üblich ist). Wenn Sie diese Art von Applikationen in Ihrem Datacenter nicht benutzen, ist Latenz ein geringerer Faktor und ein Standort in der Nähe von AMS-IX ist eigentlich nicht nötig. Außerdem ist der AMS-IX natürlich nicht der einzige Internetknoten auf der Welt. Google hat beispielsweise wegen der Lage eines wichtigen Internetknotens an diesem Standort ein großes Datacenter in Eemshaven gebaut. Und in Deutschland ist der DE-CIX, ein vergleichbar großer Knotenpunkt, der auch aus den Niederlanden gut zu erreichen ist.

Wir selbst haben uns dazu entschieden, dass wir uns zwischen AMS-IX und DE-CIX niederlassen. Das hat den Vorteil, dass man für Konnektivität nicht ganz von AMS-IX abhängig ist. Außerdem haben wir eine Infrastruktur am AMS-IX und DE-CIX gebaut, damit wir eine direkte, fast ununterbrochene Verbindung zu diesen Exchanges haben. Dadurch können wir dieselbe Performance garantieren wie Firmen, die ihr Datacenter sehr nahe am AMS-IX haben.

Subtropisches Badeparadies

Ein dritter Punkt, den man bei der Standortwahl berücksichtigen muss, ist eine gute Stromversorgung. Datacenter verbrauchen besonders viel Strom, besonders, wenn man sie mit anderen Branchen vergleicht. Außerdem haben sie einen relativ gleichmäßigen Verbrauch. Der Energieversorger muss das bewältigen und das geht nicht überall gleich gut. Manche Geräte im Stromnetz sind recht alt und müssen ersetzt werden, um die Lieferung möglich zu machen. Vor allem im Westen des Landes kommt das manchmal vor. TenneT muss daher in sein Netzwerk investieren und das wird in den Strompreis des Energieversorgers einberechnet. Allgemein kann man feststellen, dass der Transportpreis im Osten und Norden der Niederlande niedriger ist als in der Randstad.

Ein anderer Punkt rund um die Energieversorgung ist die Restwärme. Wo lässt man die? Am Schönsten ist es, wenn man die Restwärme wiederverwenden kann und das geschieht immer öfter. Wir benutzen unsere Restwärme beispielsweise dazu, um unser eigenes Firmengebäude zu heizen. Das Schönste wäre eigentlich, ein Datacenter neben einem subtropischen Badeparadies zu bauen. Die abtransportierte Wärme hat genau die richtige Temperatur hierfür.

Neben Strom sind auch die Bodenpreise ein Faktor und die sind vor allem in den großen Städten sehr hoch. Dieser Preis wiederum bestimmt auch das Angebot, das man als Dienstleister abgeben kann. Die günstige Stromversorgung und der niedrige Bodenpreis waren für unsere Datacenter auf jeden Fall wichtige Gründe, uns für Hengelo als Standort unseres Datacenters zu entscheiden.

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung zum Kommentar Blaupause für das perfekte Datacenter (1): Kühlung und Blaupause für das perfekte Datacenter (2): Sicherung.

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